Südtirol: Tierheim Naturns von Schliessung bedroht!
Das Tierheim Naturns in Plaus hat gegen arge finanzielle Schwierigkeiten zu kämpfen. „Wir können schon seit einiger Zeit keine Tiere mehr aufnehmen, weil das Geld für das Futter fehlt“, sagen die Tierpfleger Sandro Toffalori und Sabina Rabensteiner. Derzeit sind nur rund 30 Hunde und ein paar Katzen im Tierheim zu Gast, obwohl es Platz für 55 Hunde gibt. Sandro ist ganztätig beschäftigt, Sabina halbtägig. Darüber hinaus leisten sie teilweise auch freiwilligen Dienst.
„Schon bei der Eröffnung des Tierheimes vor 20 Jahren sind wir mit Schulden von damals rund 160.000 Millionen Lire gestartet. Wir konnten uns seither finanziell nie richtig erholen“, sagte Plinio Galetto, der Präsident des Südtiroler Tierschutzringes. Der Tierschutzring habe seit jeher Zinsen und Zinzeszinsen zahlen müssen: „Wir bekommen vom Land zwar pro Jahr rund 128.000 Euro, doch die Beiträge werden nicht im Jänner, sondern im August ausgeschüttet, sodass wir Geld leihen und jeweils für acht Monate Zinsen zahlen müssen“. Der derzeitigen Schuldenstand beziffert Galetto mit rund 300.000 Euro. Mit solchen finanziellen Problemen habe das Tierheim in der Sill in Bozen, das von Tierärzten der Sanitätseinheit geführt werde, nicht zu kämpfen. Das Land solle sich des Problems annehmen und eine Lösung herbeiführen. Auch eine Hypothek lastet auf dem Tierheim Naturns.
Galetto und die Tierpfleger betonen auch, dass das Tierheim Naturns das einzige im Raum Vinschgau/Meran ist. Auf die prekäre finanzielle Lage weisen der Tierschutzring und das Tierheim auch auf Flugblättern hin, die seit kurzem im Umlauf sind. „Um für unsere obdachlosen Vierbeiner ausreichend sorgen zu können, benötigen wir monatlich rund 8.000 Euro (Nahrung, Tierarztkosten, Strom- und Telefonspesen und zwei Gehälter)“, heißt es unter anderem wörtlich. Die hohe Bankverschuldung komme noch hinzu. Um das Tierheim, das von den Tierpflegern laut Galetto ordnungsgemäß und vorbildlich geführt werde, zu retten, wird auch um Spenden gebeten (Konto Raika Naturns: ABI 8157 CAB 58630 K/K 23.261-5).
Das „Tierheim Naturns“ war unlängst Thema bei der aktuellen Fragestunde im Landtag. Cristina Kury (Grüne Fraktion) wollte von Landesrat Hans Berger wissen, wie das Land zum Tierheim steht und ob Maßnahmen geplant sind. „Es ist auch uns wichtig, dass das Tierheim Naturns auch in Zukunft geöffnet bleibt. Schließlich erfüllt es eine wichtige Funktion für den Einzugsbereich Meran/Vinschgau. Allerdings ist zu sagen, dass ein Schuldenberg angehäuft worden ist, der dazu geführt hat, dass auch wir die Auszahlung von Beiträgen aussetzen mussten,“ sagte Berger Die Staatsanwaltschaft und auch die Anwaltschaft des Landes hätten mitgeteilt, dass eine Bank ein Insolvenzverfahren gegenüber dem Tierheim eingeleitet hat. „Deshalb können wir keine Beiträge mehr auszahlen. Wir können erst dann wieder zahlen, wenn die Verfügung von der Staatsanwaltschaft wieder aufgehoben wird.“ Der Weg zur Sanierung des Tierheimes bzw. zur Tilgung des angehäuften Schuldenberges „ist für uns ebenso wenig klar wie für den Tierschutzring, den Besitzer dieses Tierheims. Wir haben unsere Hilfe angeboten, und zwar in dem Sinne, dass gemeinsam nach Lösungen gesucht werden soll, die im Rahmen des gesetzlich Möglichen stehen. Ein Spendenaufruf würde sicher auch einiges dazu beitragen. Ein Ankauf des Tierheims von Seiten des Landes ist nicht in Erwägung zu ziehen, weil die Landesregierung beschlossen hat, dass das Tierheim in der Sill das einzige Landestierheim bleiben soll.“ Hans Berger sagte, dass er auch weiterhin gerne bereit sei, nach Lösungen zu suchen. Der Wunsch aber, „dass sich die Schulden durch einen Ankauf des Tierheims von Seiten des Landes von alleine tilgen, wird nicht in Erfüllung gehen.“ Für das Jahr 2005 sind 62.000 Euro vorausbezahlt worden und 62.000 Euro liegen noch beim Land. Die Beiträge für 2006 sind auch blockiert. „Von den 180.000 Euro, die wir jährlich für den Tierschutz ausgeben, gehen 125.000 Euro an den Tierschutzring,“ sagte Berger. Das sei schon ein ansehnlicher Betrag. „Wir sind nicht dafür zuständig, eventuelle Unregelmäßigkeiten in der Finanzgebarung festzustellen, denn diesbezüglich hat die Staatsanwaltschaft das Wort.
Sobald die Dinge geklärt sind, hoffe ich, dass die Beiträge wieder ausgezahlt werden können.“
Cristina Kury freute sich darüber, dass Landesrat Berger seine Absicht bekundet hat, sich für eine zufriedenstellende Lösung einzusetzen, denn der Erhalt eines Tierheims im Einzugsgebiet von Meran und Vinschgau sei auch in seinen Augen sehr wichtig. „Es ist wesentlich, dass neben dem Tierheim in der Sill auch noch dezentrale Tierheime geführt werden. Wir wissen ja, dass viele Menschen den langen Weg nach Bozen scheuen,“ sagte Kury.
Quelle: Der Vinschgauer
- Anmelden um Kommentare zu schreiben
